Spuren der Familie von dem Knesebeck
(zusammen getragen von Ingrid v. dem Knesebeck-Witthaus)
Die Familie bestand aus der schwarzen Linie mit dem Einhorn im Wappen und den uralten Rittergütern Langenapel und Wittingen und aus der weißen Linie mit der Greifenklaue im Wappen und den uralten Rittergütern Kolborn und Tylsen. 1644 wurden die beiden Wappen mit Genehmigung des Kaisers vereint und so entstand das 4-geteilte Wappen, wie Ihr es heute kennt.
Spur 1
Kaiser Wilhelm (1859 - 1941) gedachte in seinem 7. Regierungsjahr seinen "Berlinern" ein Geschenk zu machen, mit dem er ihnen die deutsche Geschichte näher zu bringen gedachte. 1895 wurde die Siegesallee geplant und 1901 vollendet. Es sollten 32 Standbilder deutscher Herrscher, beginnend mit Albrecht, dem Bären (1110 - 1170) bis zu Kaiser Wilhelm I. (1797 - 1888) von 32 verschiedenen Bildhauern dargestellt werden.
Die Siegessäule, die unter Hitler 1938 versetzt wurde, um eine breite Aufmarschallee zu schaffen, bildete den Eingang zur Siegesallee. Der jeweilige Herrscher stand in der Mitte eines Halbrunds aus weißem Carara-Marmor und im Hintergrund die Büsten von 2 wichtigen Persönlichkeiten aus seiner Regierungszeit.
Kurfürst Johann Sigismund (1572 - 1617) wurde vom Bildhauer Peter Breuer dargestellt, links die Büste des Fabian, Burggraf zu Dohna und rechts die des Thomas v.d.Knesebeck (1559 - 1625) aus Tylsen. Wissenschaftliche Bildung (Studium in Frankfurt / Oder und Helmstedt) und gründliche Rechtskenntniss waren die Grundlage zur Verordnung von 32 § zur Polizei- und Gerichtsordnung und zum allgemeinen Landrecht. Er wurde zum kurfürstlichen Geheimen Rat und später zum Landeshauptmann der Altmark ernannt.
Seine Büste blieb 1945 erhalten und befindet sich im Lapidarium in Berlin.

Johann Sigismund, Kurfürst zu Brandenburg (Mitte),
Fabian Graf zu Dohna (Links), Thomas v.d.K.(Rechts)
Spur 2
Diese Spur ist nur in großen Bibliotheken zu finden, aber die Begebenheit fand gewiß in Berlin statt.
Wilhelmine v.d.K. (1750 - 1802) aus Karwe war Hofdame bei der Königin Sophie Dorothea, der Mutter Friedrichs des Großen. Bei einer Ausfahrt gingen Wilhelmine die Pferde durch und sie sprang beherzt aus der Kutsche. Das imponierte dem Großen Friedrich so sehr, daß er ein langes Gedicht (im Original französisch) über Wilhelmines Mut verfaßte. (die letzten Zeilen s.oben). Später fertigte der Hofmaler Adolph v. Menzel einen Stahlstich von dieser Szene an, der nachfolgend abgebildet ist.

Spur 3
Zu den alten Familien gehören traditionell Gräber und Grabsteine. In Berlin sind die bekanntesten der Garnisons- und Invalidenfriedhof. Carl Friedrich v.d.K. (1768 - 1848) aus Karwe erhielt für seine militärischen, politischen und diplomatischen Verdienste den Schwarzen Adlerorden, als Dotation den Röderhof und die Huysburg und ein Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Garnisonfriedhof, welches auf der folgenden Abbildung zu sehen ist.

Auf dem Invalidenfriedhof, der durch seine nahe Grenzlage in der DDR-Zeit fast völlig zerstört wurde, waren die Gräber von Friedrich v.d.K. (1780 - 1849) aus Langenapel. Er war Oberstlieutnant und Chef der Leib-Kompanie des berliner Invaliden Bataillons. Er hatte in der Schlacht bei Dennewitz am 6.9.1813 seinen linken Arm verloren. Seine beiden Söhne wurden ebenfalls auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt: Theodor v.d.K. (1831 - 1896) und Anton v.d.K. (1833 - 1894).
Auf dem Gelände des Tierparks Friedrichsfelde, einem ehemaligen Gut der Familie v. Treskow im Osten Berlins, gibt es einen Familienfriedhof. Hier sind Witwe und Tochter des Wilhelm Robert Leopold Boldewin v.d.K. (1835 - 1865, gefallen bei Chlum) aus Jühnsdorf beigesetzt: Hildegard Charlotte v.d.K. (1843 - 1916) geb. v. Treskow und Roberta Leontine v.d.K. (1866 - 1931).
Spur 4
In Berlin gibt es 3 Knesebeckstraßen und eine Knesebeckbrücke. Der Namensgeber für die Knesebeckstraße in Zehlendorf, das seinertzeit zum Landkreis Teltow gehörte und für die Brücke über den Teltowkanal war der damalige Landrat des Kreises Leo v.d.K (1810 - 1883) aus Jühnsdorf. Er war vermutlich ein früher Verfechter des Kanals.
Der Namensgeber für die Knesebeckstraßen in Lichterfelde und Charlottenburg war der Generalfeldmarschall Carl Friedrich v.d.K.
Ende des 18-Jahrhunderts vergrößerten sich Berlin und auch Charlottenburg und so wurde aus dem begradigten Feldweg die gepflasterte Knesebeckstraße im Jahre 1866 mit herrschaftlichen Wohnungen. Die Straße zieht sich von der Hardenbergstraße bis zur Lietzenburger Straße. Dort mieteten sich damals bekannte Persönlichkeiten ein wie Schriftsteller, Künstler, Schauspieler und Musiker. Bis 1990 war die Knesebeckstraße als Buchhandelsmeile bekannt.
Spur 5
Bodo Hugo Bernhard Paridam v.d.K. (1851 - 1911) aus Korvin war der letzte am deutschen Kaiserhof tätige Familienangehörige. Nach seiner Militärzeit wechselte er in den Staatsdienst und wurde Kammerherr und Sekretär der Kaiserin Augusta (1811 - 1890). Nach ihrem Tod behielt er seine Funktion bei der Kaiserin Augusta Victoria (1858 - 1921) und wurde außerdem Vizezeremonienmeister und Einführer des diplomatischen Korps.
Er unterstützte die soziale Fürsorge Betreuung aller Kranken der verschiedensten Schichten durch die Kaiserin. Beide gründeten das Deutsche Rote Kreuz und die Tuberkuloseheilstätte in Hohenlychen. Bodo erhielt die Ehrendoktorwürde für Medizin der Humboldt-Universität und den Schwarzen Adlerorden für seine Verdienste.
An seiner Trauerfeier in Kassel nahm das Kaiserpaar mit seinen Kindern teil, beigesetzt wurde Bodo allerdings in Korvin. Sein beträchtliches Vermögen vermachte er dem Familienverband unter dem Namen "Bodostiftung".
Spur 6
Jühnsdorf und Löwenbruch brachte die 2. Ehefrau Magdalene Elisabeth v. der Gröben in die Ehe mit Wilhelm Leopold v.d.K. aus Karwe (1735-1803) ein.
In beiden Dörfern sind die Herrenhäuser erhalten und auf den Friedhöfen an den Kirchen gibt es viele Gräber der Knesebecks. Das Haus in Löwenbruch wurde von der Stadtverwaltung Ludwigsfelde erworben, es soll nicht mehr renoviert werden.
Ausführlicheres über Löwenbruch könnt Ihr in Fontanes ,,Wanderungen durch die Mark Brandenburg" im Kapitel ,,Links der Spree" erfahren.
Spur 7
Nordwestlich von Berlin liegt das ehemalige Rittergut Karwe mit dem Vorwerk Wall. Karwe hatte der ,,lange Kerl" Carl Cristopf Johann v.d.K. (*1672) aus Wittingen auf königlichen Befehlt erheiratet. Darüber hat Fontane ebenfalls in seinen ,,Wanderungen durch die Mark Brandenburg" im Kapitel ,,die Grafschaft Ruppin" berichtet. Er hat Karwe 1890 besucht. Das ehemals wunderschöne Herrenhaus wurde während der DDR-Zeit durch Abtragen der Dachziegel dem Verfall preisgegeben und später abgerissen. Das Haus im Wall hat die Gemeinde sehr schön restauriert und nutzt es. Wir haben es auf dem Familientag 1993 besichtigt.
Spur 8
Im Heimatmuseum der Stadt Neuruppin hängt ein großes Gemälde des Generalfeldmarschalls Carl Friedrich v.d.K. 1993 konnten wir es bei der Stadt- und Museumsführung einmal ansehen.
Spur 9
Nördlich von Neuruppin liegt das Schloss Rheinsberg. Dort hängt ein Gemälde von Carl Franz Paridam Kraft v.d.K. aus Tylsen (1748-1828). Er gehörte zum Freundeskreis des Prinzen Heinrich, dem damaligen Besitzer von Rheinsberg, einem Bruder Friedrich II. Dieser Carl war der letzte männliche Besitzer des Rittergutes Tylsen. Seine Schwester Sophie Henriette heiratet ihren Vetter Friedrich Wilhelm Leopold v.d.K. aus Karwe (1735-1803) unter Mitnahme des Titels Freifrau von Milendonck und des Rittergutes Tylsen, das somit der Familie erhalten blieb und nur von der weißen (Tylsen) zur schwarzen (Karwe) Linie wechselte.
Spur 10
Südlich von Ludwigslust, nahe Lenzen/Elbe liegt das Dorf Bochin. Der Landeshauptmann der Grafschaft Ruppin Ludolf v.d.K. aus Wittingen (1570-1616) erwarb das Gut, das von 1625-1739 unserer Familie gehörte. In der Kirche stehen 2 große Leuchter, in die unser Name eingraviert ist. Eine Heimatforscherin schreibt eine Chronik über Bochin, die sie uns zur Verfügung stellen wird.
Spur 11
Zum Schluss wollen wir einen der ältesten spätromanischen Backsteindome in Ratzeburg besuchen. Heinrich der Löwe ließ ihn ab 1154 erbauen. 1431 wählte das Domkapitel gegen den Willen des Papstes Eugen IV. Paridam v.d.K. aus Wittingen zum Bischof. Erst nach einem 6-monatigen Romaufenthalt bekam er die päpstliche Bestätigung mit der entsprechenden Belehnung zum Fürstbischof. Paridam stiftete den Taufstein, der sein Einhornwappen trägt. Sein Epitaph, das ihn mit je einem Wappen in den 4 Ecken im vollen Ornat zeigt, ist neben dem Altarraum in die Wand gemauert. Sein bischöfliches Siegel ist mit denen der anderen Bischöfe im Vorraum ausgestellt.